JOHANNES VERLAG EINSIEDELN


 

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Hans Urs von Balthasar
In Gottes Einsatz leben


«Es bleibt ein bedeutendes Zeichen, dass christlicher Einsatz gerade in seinen entschlossenen Formen mit einer beharrlichen, beinah verbohrten Vorliebe dort angesetzt hat, wo menschlich und weltlich keine Hoffnung mehr bleibt. Etwa bei der Pflege von Sterbenden, von altem verbrauchtem Leben, von rettungslos Kranken, von Wahnsinnigen oder Missgeburten, wo nicht einmal das Lächeln eines Dankes je zu erwarten ist. Man darf die Frage nicht stellen, ob solcher Einsatz sinnvoll und rentabel sei, denn er wurde gerade in einer Herausforderung der irdischen Sinnlosigkeit unternommen, im Bewusstsein, dass in solchem Einsatz der christliche Sinn der Hoffnung einmal rein in Erscheinung tritt. Nur könnte und sollte der christliche Genius mit der gleichen ruhig herausfordernden Freiheit auch in alle übrigen Strukturen der menschlichen Gesellschaft hinaustreten, die alle etwas von der Hoffnungslosigkeit des Sterbenden, Kranken, Wahnsinnigen an sich haben, und an ihre Pflege und Behandlung mit jener Hoffnung herangehen, die den Tod überdauert, obwohl sie mit ihm rechnet. Man wird entgegnen, dass dies ein Gehaben und Programm für Heilige sei. Das mag wohl sein; aber christliches Leben ist von jeher immer erst dort glaubhaft geworden, wo aus ihm wenigstens ein Schimmer wahrer Heiligkeit ausging.» [68f.]